Nächste Schritte für das Divestment in Kassel – Bericht vom Strategietreffen 23.09.2017

Am 23. September haben wir uns den ganzen Samstag Zeit genommen, um über die Zukunft der Kampagne zu beraten. Da das im Frühjahr schon so gut geklappt hat, haben wir dieses Format also bereits zum zweiten Mal genutzt, um die nächsten Schritte für unsere Kampagne zu planen. Über die Sommerpause (in der wir natürlich nicht untätig waren) hat sich so einiges angesammelt. Im Alltag gibt es oft viele lose Fäden, die wir parallel bearbeiten, aber manchmal fehlt Raum für den weiteren Blick in die Zukunft. Deshalb war es uns wichtig, in angenehmer Atmosphäre wieder einen Schritt zurückzutreten und das große Ganze in den Blick zu nehmen.
Folgende Fragen haben wir mit in das Treffen genommen:
  •     Wie geht es weiter mit der Stadt-Kampagne?
  •     Wie geht es weiter mit der Uni-Kampagne?
  •     Welche Schwerpunkte wollen wir zukünftig setzen?
  •     Welche Verbündete haben wir? Wie können wir unser Netzwerk erweitern und besser nutzen?
  •     Welche Hürden sehen wir? Wie können wir diese überwinden?
  •     Welche Aktionen machen strategisch zu welchem Zeitpunkt Sinn?
  •     Wie können wir Menschen für die Thematik interessieren?
  •     Wie fühlen wir uns gerade in der Gruppe und mit unseren Aufgaben?
  •     Wie können wir mehr Aktive für die Gruppe gewinnen?

Ines und Arvid diskutieren noch über den Zeitplan.

Nach einer Befindlichkeitsrunde (Wie komme ich gerade hier an?) sprachen wir zunächst über uns als Gruppe. Vieles gefällt uns an unserer Arbeit(sweise), wir finden aber auch noch Dinge, die wir gerne verbessern würden. Dazu zählt auch die Kommunikation des doch etwas komplexeren Themas an die Öffentlichkeit und die Ansprache von Interessierten. Anschließend haben wir uns gegenseitig auf den letzten Stand die Uni und die Stadt betreffend gebracht, denn bei den vielen losen Enden kann mensch leicht schon einmal den Überblick verlieren. Gut, dass das kollektive Gedächtnis bestens funktioniert und wir gemeinsam alle relevanten Infos zusammentragen konnten. Für die Uni haben wir nach längerem Nachhaken nun die Info bekommen, dass die Pensionen der Beamt*innen vom Land Hessen verwaltet werden. Für den Landespensionsfonds gelten „eigentlich“ Nachhaltigkeitskriterien, aber Recherchen haben ergeben, dass diese nicht ausreichend sind. Denn das Vermögen ist u.a. auch in Unternehmen investiert, die an der umstrittenen North Dakota Access Pipeline (NDAPL) beteiligt sind. Hier besteht also noch erheblicher Handlungsbedarf! Wir haben uns allerdings dafür entschieden, uns in Kassel zunächst einmal auf die Stadt zu fokussieren, da wir unseren Einfluss größer wahrnehmen. Von Seiten der Stadt wurden bislang allerdings alle Gesprächsversuche abgeblockt, lediglich die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen unterstützt uns bislang in unserem Anliegen. Dennoch war es bereits interessant und hilfreich, mit verschiedenen Stellen im Rathaus in Kontakt zu kommen. Darauf aufbauend haben wir dann eine Stakeholder-Analyse der Strukturen im Rathaus gemacht – welches sind die Akteure, wer hat wie viel Einfluss, wer ist unseren Zielen zugeneigt, wer eher abgeneigt?

Beim Erstellen der Stakeholder-Analyse.

Die Köpfe rauchten – also erstmal Zeit für einen kleinen Mittagssnack in der Sonne. Bevor die Mittagsträgheit einsetzte, machten wir uns dann wieder an die Arbeit und erarbeiteten einen Fahrplan für die nächsten Wochen und Monate. Die nächsten Ziele werden sein, ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister und Kämmerer in Personalunion, Herrn Geselle (SPD) zu führen, mehr Informationen über die Lage der Finanzen der Stadt Kassel herauszufinden und weitere Verbündete in der Verwaltung und in der Stadtverordnetenversammlung zu gewinnen. Nach diesem sehr auf Lobbyarbeit ausgerichteten Part widmeten wir uns dann der Öffentlichkeitsarbeit, da diese ja einen wichtigen Teil unserer Aktivitäten ausmachen. All die Gespräche und Erkenntnisse sind ja dafür da, das Thema Klimaschutz und ethisches Investment ins Bewusstsein zu rufen, weshalb wir immer wieder neue Wege suchen, öffentlich in Erscheinung zu treten. Das große Brainstorming für Aktionsideen hat viel Spaß gemacht und wir freuen uns, diese in die Tat umzusetzen.
So können wir auch schon die nächsten Termine ankündigen, bei denen wir zu finden sind:
  • 25.10., 10 – 16 Uhr, CampusCenter am Hopla: Markt der Möglichkeiten
  • 02.11., 18 Uhr, Café desasta (Arnold-Bode-Straße 6): Kick-Off der Kampagne im neuen Semester. Schnuppertreffen für Neue!
Aus der Bewegung:
  • 06.-17.11.: Klimakonferenz COP23 in Bonn
Das Strategietreffen hat uns auf jeden viel Spaß gemacht und bringt frische Motivation in die Gruppe – jetzt sind wir gewappnet für die nächsten Schritte. Divest Now!
Für ausführlichere Antworten auf die Fragen kontaktiert uns gerne oder kommt zu unserem Kick-Off-Meeting am 02.11.! Wir freuen uns auf euch.

Auch wir sind ein Akteur in der Stadtgesellschaft!

Divestment – Was ist das?

Wer sein Geld anlegen will, investiert in Aktien, Anleihen oder andere Vermögensanlagen, durch die Einnahmen erwirtschaftet werden. Universitäten (in Deutschland über unselbständige Stiftungen), religiöse Institutionen, Pensionskassen und andere Institutionen investieren auf ähnliche Weise Milliarden, um sich Einnahmen für ihre Betriebskosten zu verschaffen.

Divestment ist das Gegenteil einer Investition. Es bedeutet, dass man sich von Aktien, Anleihen oder Investmentfonds trennt, die unökologisch oder unter ethischen Gesichtspunkten fragwürdig sind. Investitionen in fossile Brennstoffe stellen ein Risiko für Investoren und für den Planeten dar – darum rufen wir sämtliche Institutionen dazu auf, ihr Vermögen aus diesen Unternehmen abzuziehen. Aber gerade in Kassel ist es auch die Rüstungsindustrie, die Sorgen machen muss: Kasseler Waffen werden in Kriegen und Bürgerkriegen auf aller Welt eingesetzt. Für uns gilt: wenn Klimawandel und Kriege zu verurteilen sind – dann ist es auch falsch, davon zu profitieren!

Es gibt in der jüngsten Geschichte einige Beispiele für erfolgreiche Divestmentkampagnen, darunter Darfur, Tabak und andere, aber die größte und wirkungsvollste spitzte sich während der Apartheid in Südafrika zu. Bis Mitte der 80er Jahre hatten 155 Universitäten in den USA, darunter einige der höchst angesehenen, ihr Vermögen aus Unternehmen abgezogen, die in Südafrika wirtschafteten. Die Regierungen von 26 Bundesstaaten, 22 Landkreisen und 90 Städten, darunter einige der größten im Land, deinvestierten ihr Vermögen aus den multinationalen Unternehmen. Die südafrikanische Divestmentkampagne trug wesentlich dazu bei, dem Apartheidregime das Rückgrat zu brechen und eine Ära der Demokratie und Gleichberechtigung einzuläuten.

Diese Beispiele zeigen – wir können es schaffen, wenn wir gemeinsam Druck aufbauen und die unwürdigen Zustände nicht länger akzeptieren!