Intensiv-Divesting und nächste Termine

DIVEST from dirty profits – kein Geld für Waffen, Kohle, Öl und Gas!
– Die Divestment-Bewegung in Kassel –

Wenn der Klimawandel und Kriege zu verurteilen sind, dann ist es auch falsch, davon zu profitieren! Diesen Ansatz verfolgt die internationale Divestment-Bewegung. Divestment ist das Gegenteil einer Investition. Es bedeutet, dass man sich von Aktien, Anleihen oder Investmentfonds trennt, die unökologisch oder unter ethischen Gesichtspunkten fragwürdig sind. Investitionen in fossile Brennstoffe oder Rüstungsgüter, aber auch Sektoren mit Kinderarbeit oder Korruption bedeuten ein Risiko für Investoren und für den Planeten – darum sollten Institutionen ihre Vermögen aus diesen Unternehmen abziehen!

Historisch ist diese Protestform z.B. aus Südafrika bekannt, wo das Divestment in den 80ern Druck auf das Apartheidsregime ausgeübt hat und häufig auch als ein Faktor für das Ende der Apartheid genannt wird. Neuen Schwung gewinnt das Konzept des Divestments vor dem Hintergrund des Klimawandels mit dem Ziel, die fossile Energieindustrie anzugreifen. Weltweit haben bereits über 700 Institutionen eine Summe von ca. 5 Billionen Euro abgezogen – darunter Kommunen, kirchliche Verbände, Stiftungen, Pensionsfonds, Versicherung, sowie auch Bildungseinrichtungen. Genau hier setzen wir als Studierende an. Wir fordern eine nachhaltige Finanzpolitik der Universität Kassel. Seit ca. einem Jahr beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema und haben mittlerweile mit vielen Akteur*innen Kontakt aufgenommen, vom Präsident, über den Kanzler samt Finanzabteilung bis zum AStA.

Im Dezember 2016 fand das erste Treffen mit dem Hochschulpräsidenten, Prof. Finkeldey statt. Die Grundidee des Divestments kam sehr positiv an und Herr Finkeldey stimmte uns zu, dass ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Geldern der Universität nur im Einklang stehen kann mit dem Umweltprofil und den sonstigen Anstrengungen in diese Richtung. Die Verantwortung darf bei den Finanzen nicht aufhören! Ökostrom, Bio-Essen in der Mensa, diverse Studiengänge im Bereich Nachhaltigkeit und zwei E-Bikes als Dienstfahrzeuge sind zwar ein guter Anfang, aber auch die Finanzen müssen mit in eine Nachhaltigkeitsstrategie einbezogen werden.

Im Februar diesen Jahres wurde dann mit großer Mehrheit eine entsprechende Resolution im Studierendenparlament verabschiedet, die die Uni dazu auffordert, ihre Finanzgeschäfte unter ethischen und ökologischen Kriterien abzuwickeln. Diese Resolution ist für uns als Initiative sehr wichtig, da sie uns und der Univerwaltung zeigt, dass nicht nur die Menschen in der Kampagne dieses Thema für relevant halten, sondern die verfasste Studierendenschaft, die von allen Studierenden der Universität gewählt wird.

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir aber noch immer keine aussagekräftigen Aussagen zu den Finanzgeschäften der Uni bis auf den öffentlich einsehbaren Finanzbericht, aus dem aber nicht viel herauszulesen ist. Ende Februar saßen wir dann aber endlich mit dem Kanzler, Dr. Fromm, Herrn Tolle von der Finanz- sowie Herrn Mense aus der Presseabteilung zusammen. Das Gespräch war sehr aufschlussreich und konstruktiv. Bestätigt wurde uns, dass das Geschäftsverhältnis zur Commerzbank zum nächstmöglichen Zeitpunkt, wahrscheinlich bis zum Sommersemester 2019, gekündigt werden soll. Bislang mussten wir Studierende unsere Semesterbeiträge auf ein Girokonto bei dieser Bank überweisen, obwohl diese für ihre zweifelhaften Geschäftsfelder bekannt ist, wie zum Beispiel die Finanzierung von Waffenherstellern wie Rheinmetall oder Krauss-Maffei Wegmann (beide auch in Kassel ansässig). Das können wir als großen Erfolg verbuchen, der auf unsere Kampagnenarbeit zurückgeht!

Das Divestment bezieht sich allerdings hauptsächlich auf feste Geldanlagen und Investment, da dort die finanziellen Mittel langfristig gebunden sind und tatsächlich zur Unterstützung der kritischen Branchen genutzt werden. Laut Herrn Fromm verfügt die Universität Kassel allerdings in keinem großen Umfang über Geldanlagen. Die Mittel werden der Universität meist kurzfristig vom Land Hessen zugewiesen, das wiederum den sogenannten Cash Pool verwaltet und auf den die Universität nach eigener Aussage keinen Einfluss hat.

Für uns bedeutet diese Wendung zum einen natürlich einen Erkenntnisgewinn, zum anderen aber auch, dass wir unsere Strategie neu ausrichten müssen. Auch wenn die neuen Informationen allem Anschein nach belegen, dass die Uni momentan keine unethischen Finanzgeschäfte tätigt. Das bedeutet für uns allerdings keineswegs das Ende der Kampagne! Die Girokonten der Universität Kassel liegen derzeit bei der Kasseler Sparkasse, die zwar ein lokales Finanzinstitut ist, die aber über ihren Spitzenverband, der Hessisch-Thüringischen Landesbank (HeLaBa), auch in schmutzige Geschäfte verwickelt sein könnte. Die Landesbanken agieren wie normale Großbanken wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank und finanzieren ebenso Firmen wie KMW, Thyssen Krupp oder Serco, welche das britische Atomwaffenarsenal entwickelt, aufbaut und wartet. Darüber hinaus fiel die HeLaBa 2011 durch den Stresstest der EU. Daher ist unser Ziel, dass auch diese Girokonten ins Visier genommen werden, um öffentlich ein Zeichen gegen diese Unternehmen zu setzen. Der Anfang könnte leicht gemacht sein mit dem Semesterbeitragskonto, das ja nun gerade ohnehin gewechselt werden soll. Hier könnte die Uni einen Versuch wagen und zu einer der Nachhaltigkeitsbanken wechseln. Stellt euch vor, ihr überweist eure Semestergebühren auf ein Konto einer Bank, die zu 100% vertrauenswürdig ist und die Gutes mit dem Geld schafft! Das hätte natürlich auch einen positiven Einfluss auf das Bild der Uni Kassel als Umweltuni und hat für uns nur mit Konsequenz und Glaubwürdigkeit seitens der Universitätsleitung zu tun!

Ein langfristiges Ziel ist schließlich die Verabschiedung einer Finanzrichtlinie, zum Beispiel im Senat. In dieser sollten Kriterien festgelegt werden, die für alle Finanzgeschäfte gelten, das heißt sowohl für die Girokonten, als auch für Anlagen, falls diese in Zukunft, z.B. durch Stiftungsvermögen, doch einmal getätigt werden sollen. Wichtig ist dabei, dass es nicht bei einem „leisen Divestment“ bleibt, sondern die Universität muss laut für ihre Ansichten und Entscheidungen einstehen. Daher ist eine Richtlinie der richtige Weg, um diese Entscheidung klar und deutlich zu formulieren und auch für kommende Generationen von Präsident*innen und Kanzler*innen festzuschreiben. Die Kriterien sollten dabei möglichst umfassend sein und partizipativ bestimmt werden – denn wir alle haben eine Stimme, die wir nutzen sollten! Wie der Prozess genau aussehen kann, darauf sind auch wir gespannt. Als Initiative wollen wir diesen Prozess begleiten und die Universitätsleitung immer wieder herausfordern, doch noch eine Lösung zu finden, obwohl das vielleicht vor ihnen noch nie jemand an einer deutschen Universität getan hat.

Parallel dazu wollen wir uns jetzt auch an andere Institutionen in Kassel herantasten, wie zum Beispiel der Stadt Kassel. In diesem Bereich gibt es deutschlandweit bereits einige Divestment-Beschlüsse, sodass die Hürden hier etwas niedriger sind, schließlich, müsste man es in Kassel nur Münster, Stuttgart oder Berlin „nachmachen“.

Nach der ganzen Hinterzimmerarbeit freuen wir uns jetzt auch darauf, mal wieder öffentlich in Erscheinung zu treten! Am 26. April in Kassel und am 27. April in Witzenhausen, jeweils von 11 bis 15 Uhr, werden wir mit einem Stand und einer kleinen Aktion für euch bei den Nachhaltigkeitstagen dabei sein – hier könnt ihr euch über eure (nachhaltigen?) Finanzgeschäfte beraten lassen.

Außerdem findet vom 5. bis 13. Mai eine Global Divestment Mobilisation statt, an der auch wir in Kassel uns beteiligen wollen. Am 9. Mai um 16 Uhr wollen wir auf dem Königsplatz eine Fotoaktion machen, bei der wir mit unseren und euren Körpern eine Message bilden und an die Entscheidungsträger*innen in Kassel und der ganzen Welt senden wollen. Seid dabei und helft uns, unsere Verantwortung für unser Geld sichtbar zu machen!

Wenn ihr euch auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Thema befassen wollt, könnt ihr im Sommersemester ein Projektseminar zum Thema „Die Universität Kassel als nachhaltige Investorin“ belegen. Wir freuen uns sehr, dass Samuel Drempetic und Tobias Bauckloh vom Fachgebiet Corporate Finance (Prof. Klein, FB 07) dieses Seminar im Rahmen der „Lehre für eine nachhaltige Universität“ anbieten und sind gespannt auf die Ergebnisse! Ziel des Seminares ist es, den Studierenden einen fundierten Einblick in die Thematik „Nachhaltiges Investieren“ zu gewähren und die Kenntnisse an praktischen Beispielen zu vertiefen. Dafür ermitteln die Studierenden den Status Quo der Anlagepolitik der Universität Kassel und der mit ihr verbundenen Institutionen und erarbeiten ein Konzept zur Integration von Nachhaltigkeitskriterien in den Anlageprozess dieser Institutionen.

Wir als Initiative freuen uns, dass das Thema Divestment nun so vielschichtig in Kassel vertreten ist und freuen uns auf die weitere Arbeit. Wir werden nicht lockerlassen, bis die Institutionen in Kassel die Verantwortung für ihr Geld wahrnehmen und laut sagen: Kein Geld für Waffen, Kohle, Öl und Gas!

Ihr findet das Thema spannend und habt Lust euch einzubringen? Ihr seht noch Diskussionsbedarf? Meldet euch sehr gerne bei uns und/oder kommt zu unseren Treffen! Termine, mehr über uns und viele Hintergrundinformationen sind auf unserer Website zu finden: divestkassel.blogsport.eu

Arbeitsatmosphäre bei der Klausurtagung

Treffen mit der Universitätsleitung – Vol. 2

Vergangenen Mittwoch (22.02.2017) gab es ein von unserer Seite lange erwartetes Treffen mit dem Kanzler der Universität Kassel, Herrn Dr. Fromm, Herrn Tolle von der Finanz- sowie Herrn Mense aus der Presseabteilung.

In der alles in allem sehr kooperativen Atmosphäre konnten wir zunächst unser Anliegen des Divestments der Uni Kassel und dessen Bedeutung einem weiteren Teil der Verwaltung darlegen. Unsere Ausführung wurde interessiert und aufgeschlossen verfolgt. Im Anschluss wurden unsere offenen Fragen zum Agieren der Universität in finanziellen Belangen ausführlich beantwortet. Vor diesem Hintergrund muss eingestanden werden, dass unsere letzte Pressemitteilung etwas missverständlich formuliert war: Die Universität verfügt laut Aussage von Herrn Tolle seit Auflösung eines Sparkassen-Pfandbriefs letztes Jahr über keinerlei langfristige Anlagen und auch über keinen relevanten Einfluss auf die ihr von Bund, Land und Drittmittelgeber*innen zugewiesenen Finanzmittel. Deren Verwaltung läge, so Tolle, über den „Cash Pool“ allein beim Land Hessen.

Der angekündigte Wechsel des Girokontos für Semesterbeiträge, welches derzeit von der Commerzbank verwaltet wird, hin zu einer lokalen Bank ist derzeit in der Prüfung. Auch wenn dies laut Univerwaltung keinerlei politische Gründe hat, begrüßt Divest Kassel diesen Schritt dennoch ausdrücklich, da die Commerzbank aufgrund ihres Investmentverhaltens in unseren Augen eine absolut undenkbare Geschäftspartnerin darstellt. Wir werden diesen Prozess beobachten und darauf achten, dass die neue Bank das vom Studierendenparlament geforderte Geschäftsverhalten zeigt. Außerdem werden wir prüfen, ob sich eine langfristige Verpflichtung der Universitäts-Leitung auf ethische und ökologische Richtlinien für etwaige zukünftige Anlagen in den Leitlinien der Universität verankern lässt.

Unser Fazit des Treffens: Auch wenn die Universität Kassel keine eigenen Finanzanlagen tätigt und somit das verbleibende, indirekte Divestment ihrer Girokonten über einen Bankenwechsel eine weitgehend symbolische Wirkung hätte, halten wir dies dennoch für ein lohnendes Ziel, wofür wir weiter kämpfen und überzeugen wollen.
Gerade Universitäten sollten mit ihrem Verhalten ein Beispiel und Vorbild für die gesamte Gesellschaft sein. Selbst ein symbolischer Verzicht auf Kooperationen mit Akteur*innen, welche keine Skrupel haben, Geld mit der Zerstörung unseres Planeten, an Krieg und der Ausbeutung von Mensch und Umwelt zu verdienen, setzt ein deutliches Zeichen und schärft das nachhaltige Profil unserer Universität.

Andererseits bedeutet dieses Gespräch für uns aber auch, dass wir einen wichtigen Schritt erreicht haben: wir haben einige interne Gespräche in der Universitätsleitung über den Umgang mit den Ihnen anvertrauten Geldern angeregt. Es ist für uns also nun an der Zeit, dass wir uns auch an weitere Akteure wenden. Einige Ideen schweben uns dabei bereits vor. Wir freuen uns aber auf weitere Anregungen eurerseits, welche Institutionen desinvestieren sollen!

Unser Geld hat lange genug im Dunkeln gearbeitet.
Zeit, das Licht anzuschalten!

StuPa-Beschluss: Universität soll schmutzige Geldanlagen abstoßen

Drei der Studierenden aus unserer Initiative fordern die Uni auf, zu „divesten“ (v.l.n.r.): Kerstin Lopau, Alexander, Wehfritz, Manuel Stelzer. Foto: Arvid Jasper.

Unsere Presseerklärung von heute Morgen:

Mittwoch Abend hat das Kasseler Studierendenparlament die Universitätsleitung mit großer Mehrheit aufgefordert, ihre finanziellen Rücklagen von gesellschaftlich schädlichen Anlagen zu säubern. Bisher werden bei Finanzgeschäften keinerlei ethische und Nachhaltigkeits-Kriterien berücksichtigt. Der Beschluss geht auf eine Initiative der Kampagne „Divest Uni Kassel“ zurück.

Dazu Kerstin Lopau, Sprecherin der Kampagne: „Bis zu 180 Millionen Euro an Rücklagen und Rückstellungen hält die Hochschule. Es kann nicht sein, dass sie die Verantwortung darüber, was mit dem Geld geschieht, einfach am Bankschalter abgibt.“ Als erster Schritt wurde von Seiten der Universität auf studentische Anregung hin angekündigt, ihr Geschäftsverhältnis mit der Commerzbank aufzulösen. Grund dafür sind die verwerflichen Geschäftspraktiken, mit denen die Investmentbank agiert. Insbesondere finanziert sie klima- und umweltschädliche Investitionen wie den Braunkohleabbau durch RWE sowie den Rüstungssektor. „Dieser Schritt ist sehr zu begrüßen. Der Wechsel eines der vielen Uni-Konten reicht aber noch nicht aus“, so Lopau.

Divest Kassel beruft sich auf die internationale Kampagne „Fossil Free“, die sich für eine Abkehr von der Finanzierung von Kohle-, Öl- und Gasunternehmen einsetzt. „Unser Motto ist: Wer Klimawandel und Bürgerkriege als Katastrophen benennt, darf nicht selbst von der fossilen und der Rüstungsindustrie profitieren. Die Universität mit ihrem Nachhaltigkeitsprofil könnte hier voran gehen und nach Städten wie Münster, Stuttgart und Berlin eine der ersten Universitäten Deutschlands werden, die auch ihre Finanzanlagen nachhaltig gestaltet,“ sagt Arvid Jasper, ein weiteres Mitglied von Divest Uni Kassel.

Für das Sommersemester ab April ist ein Projektseminar geplant, dass die Möglichkeiten, Risiken und Chancen des Divestments an der Universität untersucht. Bis dahin wird es weitere Gespräche mit der Hochschulleitung geben.

Es geht also voran! Aber gleichzeitig zeigt sich der Kanzler der Universität sehr zögerlich – die Finanzabteilung habe schon so viel zu tun. Wir haben also noch viel vor uns. Kommt dazu und unterstützt uns! Für das nächste Semester sind größere Aktionen geplant – wir müssen in die Öffentlichkeit!

Divestment-Beschlussvorlage für den Uni-Senat

Das Präsidium und insbesondere der Kanzler sind für die Finanzen der Uni zuständig. Aber der Senat ist das höchste beschlussfassende Gremium. Nur dort können wir einen langfristig wirkenden Beschluss verankern, wie die Uni mit ihren Geldanlagen umgehen soll.

Daher haben wir schon einmal eine Beschlussvorlage für den Senat vorbereitet. Habt ihr Anmerkungen oder Kritik? Würdet ihr gerne noch andere Aspekte verankert sehen? Schreibt uns in den Kommentaren oder direkt im Kontaktformular!

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Gespräch mit dem Uni-Präsidenten

Zitat

Am letzten Dienstag, den 06.12.2016, waren wir für ein intensives Gespräch beim Uni-Präsidenten Prof. Finkeldey. Er stimmt uns generell zu:

Divestment passt gut in das Profil der Universität. Mit unserem Nachhaltigkeitsfokus sollten wir das machen.

Das klingt doch gut! Jetzt gilt es nur, sich nicht an den Hürden aufzuhängen, die sich in der Verwaltung bei der Umsetzung sicherlich auftun werden. Wir sind also gespannt auf das Gespräch, das wir demnächst mit dem Kanzler und der Finanzabteilung führen werden.

Divestment – Was ist das?

Wer sein Geld anlegen will, investiert in Aktien, Anleihen oder andere Vermögensanlagen, durch die Einnahmen erwirtschaftet werden. Universitäten (in Deutschland über unselbständige Stiftungen), religiöse Institutionen, Pensionskassen und andere Institutionen investieren auf ähnliche Weise Milliarden, um sich Einnahmen für ihre Betriebskosten zu verschaffen.

Divestment ist das Gegenteil einer Investition. Es bedeutet, dass man sich von Aktien, Anleihen oder Investmentfonds trennt, die unökologisch oder unter ethischen Gesichtspunkten fragwürdig sind. Investitionen in fossile Brennstoffe stellen ein Risiko für Investoren und für den Planeten dar – darum rufen wir sämtliche Institutionen dazu auf, ihr Vermögen aus diesen Unternehmen abzuziehen. Aber gerade in Kassel ist es auch die Rüstungsindustrie, die Sorgen machen muss: Kasseler Waffen werden in Kriegen und Bürgerkriegen auf aller Welt eingesetzt. Für uns gilt: wenn Klimawandel und Kriege zu verurteilen sind – dann ist es auch falsch, davon zu profitieren!

Es gibt in der jüngsten Geschichte einige Beispiele für erfolgreiche Divestmentkampagnen, darunter Darfur, Tabak und andere, aber die größte und wirkungsvollste spitzte sich während der Apartheid in Südafrika zu. Bis Mitte der 80er Jahre hatten 155 Universitäten in den USA, darunter einige der höchst angesehenen, ihr Vermögen aus Unternehmen abgezogen, die in Südafrika wirtschafteten. Die Regierungen von 26 Bundesstaaten, 22 Landkreisen und 90 Städten, darunter einige der größten im Land, deinvestierten ihr Vermögen aus den multinationalen Unternehmen. Die südafrikanische Divestmentkampagne trug wesentlich dazu bei, dem Apartheidregime das Rückgrat zu brechen und eine Ära der Demokratie und Gleichberechtigung einzuläuten.

Diese Beispiele zeigen – wir können es schaffen, wenn wir gemeinsam Druck aufbauen und die unwürdigen Zustände nicht länger akzeptieren!